Die Anforderungen europäischer EVU (European Utility Requirements, EUR) - Stand und kurzfristige Aktivitäten
P. Berbey, F. Hedin, L. Vanhoenacker
1991 beschlossen 5 große europäische, am amerikanischen ALWR-Programm beteiligte, Energieversorgungsunternehmen, gemeinsam ein einheitliches Lastenheft auszuarbeiten, das dazu beitragen sollte, die nukleare Option offen zu halten. Diese europäischen EVU-Anforderungen richten sich an die Konstrukteure und Hersteller von LWR-Anlagen und sollen die Entwicklung von Standardauslegungen möglich machen, die mit nur geringen Unterschieden in mehreren europäischen Ländern genehmigt und gebaut werden können. Die EUR-Organisation ist seitdem gewachsen und umfasst heute 16 EVU.
Sieben sogenannte Complianceanalysen der Anlagen BWR90, EPR, EPP, ABWR, SWR1000, AP1000 und der AES92-Projekte liegen bereits vor. Die überarbeitete Fassung des Kapitels EPR in EUR-Band 3 wurde Mitte 2009 abgeschlossen. Neue, potentiell für die EUR-Energieversorger interessante LWR-Projekte werden zurzeit geprüft. So wurde beispielsweise in den ersten Monaten 2008 eine erste Beurteilung der Compliance des MHI-APWR-Projekts ausgearbeitet.
Vor kurzem hat die EUR-Organisation beschlossen, koordinierte Schritte gemeinsam mit anderen Gruppen der Branche und sonstigen Interessenten durchzuführen. Vor allem haben die Organisationen EUR und ENISS vor, in ihren Beziehungen zu den Organisationen IAEO und WENRA im Hinblick auf die Auslegung von LWR der 3. Generation zusammenzuarbeiten. Außerdem streben EUR und CORDEL (Cooperation in Reactor Design Evaluation and Licensing), eine Arbeitsgruppe der WNA (World Nuclear Association), an, ihre Arbeiten zum Nutzen der Branche mit Blick auf die Initiative MDEP (Multinational Design Evaluation Program) der Sicherheitsbehörden zu koordinieren. Auch zu ENEN und WNU sind Kontakte geknüpft worden, um neue Ausbildungskurse für den fachlichen Nachwuchs auszuarbeiten.